Freitag, April 28, 2006

Familie, Kinder, Eierkuchen

Eva Herman, Tagesschaumoderatorin, schreibt einen Artikel für den Cicero. So weit, so uninteressant. Interessant wirds, schaut man sich einige der Thesen an, die sie dort ausbreitet, noch interessanter die Schlussfolgerungen die Frau Herman trifft, beispielsweise zum Thema Karrierefrau:

"Es ist selbstverständlich, dass Frauen etwas lernen, dass sie sich weiterbilden und Aufgaben auch außerhalb der Familie übernehmen, wenn sie das Talent dafür haben. Doch all das sollte in Maßen geschehen."

"Denn mit diesem Handeln [Anm. d. Blg.: Karriere/Konkurrenz zum Mann], auch das ist nur logisch, lähmen wir jede starke Männlichkeit in unseren Partnern, die wir uns in der Tiefe unserer Seelen sehnlichst wieder herbeiwünschen."

Und ja, Eva Herman ist wirklch eine Frau, auch wenn es kaum zu glauben ist! Ich muss zugeben, ich habe den Artikel im Cicero (noch) nicht gelesen, nach dem Bericht auf Spiegel.de mit vielen Zitaten daraus, konnte ich mich dazu wirklich nicht überwinden, vielleicht spar ich mir das Orginal sorgar, auch wenn das natürlich absolut unwissenschaftlich wäre, möchte ich mich weiterhin in die Diskussion einmicht..

Viel interessanter sind für mich aber sowieso die Reaktionen, welche der Artikel auslöst.
Plötzlich finden wir Bekenntnisse zur klassischen Rollenverteilung, gegen die, ach so großen, ach so ungerechten Schimpfe auf die Männer, und verschämt hört man auch hier und da, lieber sollte doch die Frau zu Hause bleiben, wenn das Kind da ist, die kanns auch einfach besser.
Schon langere Zeit gibt es in vielen Diskussionen, auch in der öffentlichen Debatte, einen Schwenk in diese Richtung. Jetzt aber spricht sie eine Frau selber endlich mal in aller Deutlichkeit aus. Eine Frau die auch noch selber Karriere und Beruf vereint, eine Frau die Stellvertreten steht für alle Fr... gut, lassen wir das.

Bevor ich hier die vielen angestoßenen Fragen und Probleme aufgreife, die diese Diskussion mit sich bringt und zu denen es sicherlich unterschiedliche Meinungen geben kann und muss, möchte ich lieber auf einen von Reinhard Mohr verfasste Beitrag zur aktuelle Debatte um Kinderlosigkeit und die Probleme Deutschlands verweisen, der sich vorallem mit der Rolle der Familie und ihrer Stilisierung zum Heilsbringer der Nation (nach dem Motto: In unruhigen Zeiten sucht man sich einen sicheren Hafen) auseinandersetzt. Teilweise zu oberflächlich, teilweise polemisch, aber mit vielen interessanten Aspekten und einem unterhaltsamen Stil sicherlich lesenswert.

"Es ist eine Binsenweisheit, aber offenbar muss man an sie erinnern: Die Unschuld der Familie ist längst verloren - wie die aller bürgerlichen Institutionen. Es gibt kein Zurück in eine vermeintlich heile Welt, sondern nur die Suche nach neuen Formen und Kombinationen. Phantasie ist gefragt statt simpler Nostalgie, Kreativität statt reaktionärem Kitsch."

"Es stimmt: Die Emanzipation des Subjekts hat ihren Preis. Aber er kann nicht darin bestehen, die gewonnene Freiheit einfach wieder einzukassieren. Diesen Preis würde Evchen Herman zuallerletzt entrichten. Schöpfungsauftrag hin oder her."


Für mich zeigt diese Debatte nicht zu letzt auch: Trotz 2006, trotz einer Frau als Kanzlerin, trotz 7 Jahren Rot-Grün, trotz Political Correctness, zu guter Letzt sogar trotz 68 sind viele Menschen in unserer Gesellschaft noch weit von fortschrittlichem Denken und vor allem fortschrittlichen Handeln entfernt, auch und vorallem in den politischen, kulturellen und ökonomischen Eliten.
Die schwierige ökonomischen und politischen Situation weltweit wird als Vorwand genutzt um, zumindest und immerhin in der Öffentlichkeit hochgehaltene, gesellschaftliche und soziale Errungenschaften Schritt für Schritt rückgängig zu machen. So wie es früher war, scheint es doch bequemer. Das unter einer solchen Rückwärtsrolle Menschen werden leiden müssen und Gefahren drohen ist leider anscheinend all zu vielen nicht bewusst.

Es läge mir fern irgendeiner Frau zu verbieten, mit ihrem Kind zu Hause zu bleiben.
Aber ihre Freiheit zu arbeiten, Karriere zu machen und aus eigenem Willen - oder weil sie andere Prioritäten setzt - auf ein Kind zu verzichten, welches für die Gesellschaft/den Staat ach so wichtig ist, für das sie(Gesellschaft)/er(Staat) aber nicht bereit ist genug Anstrengungen zu unternehmen, um der Mutter in der Gleichstellung zum Mann(Vater) die Vereinbarkeit zu ermöglichen, halte ich für eine der zentralen Errungenschaften der letzten fünfzig Jahre von der man um kein Schritt abweichen sollte.


Kommentare:

R2K hat gesagt…

: )

mo hat gesagt…

hab noch ma überarbeitet und ergänzt, bitte noch ma lesen^^

Alexander Wuttke hat gesagt…

ich glaube diese Debatte um Hermanns ist sowieso eine nur von spiegel-online geführte.

woanders habe ich dazu nichts gelesen.

mo hat gesagt…

mag sein, aber habe schon mit vielen drüber gesprochen, ich meine ja, es wird in der gesellschaft aufgegriffen nud wenn du dir maximum minimum anguckst, alles was die ganze Zeit zur demographischen Entwicklung kommt, dann dieses ganze, Frauen müssen Stillen, das is viel besser fürs kind, und und und kann man IMO schon sagen, dass es ein THema ist, was diskutiert wird zur zeit, und ich fand da halt den artikel von mohr sehr lesenswert, auch wenn ich selber ja eine eher positive vision der modernen familie habe^^

Anonym hat gesagt…

Eva herman hat Recht! Und dabei haben wir noch nicht den menschenverachtenden Abtreibungskomplex betrachtet...TK
www.campodecriptana.de