Montag, Februar 05, 2007

Montagsgedicht

In Gesellschaft

Ich kam in das Cocktailparty
Zimmer und stieß auf drei oder vier Schwule
die sich auf Schwulenart unterhielten.
Ich wollte freundlich sein aber hörte
mich zu einem auf Hipsterart sprechen.
„Schön Sie zu sehen“, sagte er und
blickte beiseite. „Hmn“, grübelte ich. Das Zimmer
war klein, es gab ein Etagen
Bett und eine Kochnische:
Kühlschrank, Wandschränkchen, Toaster, Herd;
der Gastgeber schien Platz nur
zum Kochen und Schlafen zu haben.
Meine Bemerkung zu diesem Umstand wurde
verstanden, aber nicht gewürdigt. Mir wurden
Getränke angeboten, die ich akzeptierte.
Ich aß ein reines Fleischsandwich, ein
riesiges Sandwich aus Menschenfleisch,
das, wie ich beim Kauen bemerkte,
auch ein schmutziges Arschloch enthielt.

Es kamen mehr Gäste, darunter auch ein
flottes Frollein, das aussah wie
eine Prinzessin. Sie funkelte mich an
und sagte sofort: „Ich kann Sie nicht ausstehen“,
wandte sich ab und weigerte sich, mir
vorgestellt zu werden. „Wie bitte!“ sagte ich
hell empört, „warum, du blödes Arschgesicht!“
Das sicherte mir allgemeine Aufmerksamkeit.
„Warum, du narzisstische Schlampe! Wie
kannst du so etwas sagen, du kennst mich
ja nicht mal“, fuhr ich fort, lauthals und
mit messianischer Stimme hatte ich jetzt richtig
in Fahrt das ganze Zimmer im Griff.

Traum New York - Denver, Frühjahr 1947.

Allen Ginsberg, "Gedichte", RoRoRo.

Allen Ginsberg, "Gedichte", RoRoRo.



1 Kommentar:

fabian hat gesagt…

schönes Gedicht :-)